Ein ROAS von 300 % sieht im Werbekonto nach Erfolg aus. Ob die Kampagne tatsächlich Geld verdient, verrät dieser Wert aber nicht. Dafür müssen Sie wissen, was nach dem Wareneinsatz übrig bleibt und welche Kosten außer dem Werbebudget angefallen sind. Genau diese Frage beantwortet der ROI: Hat sich die Investition bezahlt gemacht, und wie viel ist darüber hinaus hängen geblieben?
In diesem Beitrag erfahren Sie, was der ROI bedeutet, wie Sie den ROI berechnen und warum dieselbe Kampagne je nach eingesetzten Zahlen 25 %, 50 %, 150 % oder 300 % ausweisen kann. Sie lesen, wie sich die Marketingformel von der Controlling-Formel nach dem DuPont-Schema unterscheidet, was ROI, ROAS und POAS voneinander trennt, was ein guter ROI ist, warum ROI und Amortisation nicht dasselbe sind und wie Sie den ROI in Google Ads, GA4 und Meta messen. Ein Rechner für Ihre eigenen Zahlen ist dabei. Die Definitionen stammen aus der Google Ads-Hilfe. Bei Viralistic berichten wir Marketing genau in diesen Größen: Rohertrag, alle Kosten und ROI je Kanal. Mit einem grünen ROAS hat noch niemand seine Miete bezahlt.
Was ist der ROI?
ROI steht für Return on Investment, im Deutschen meist Kapitalrendite genannt. Die Kennzahl zeigt in Prozent, wie viel Gewinn eine Investition im Verhältnis zu ihren Kosten abwirft. Bei 0 % haben Sie das eingesetzte Geld genau zurückverdient. Über 0 % verdienen Sie daran, unter 0 % verlieren Sie Geld.
In der Google Ads-Hilfe zum Return on Investment beschreibt Google den ROI als das Verhältnis von Nettogewinn und Kosten und nennt ihn „im Allgemeinen“ den wichtigsten Messwert für Werbetreibende, weil er den tatsächlichen Effekt der Werbung auf das Unternehmen zeigt. Klicks und Impressionen sagen Ihnen, wie viele Menschen Sie erreicht haben. Der ROI sagt Ihnen, ob sich diese Reichweite rechnet.

Weil der ROI ein Prozentwert ist, lassen sich damit Investitionen ganz unterschiedlicher Größe vergleichen: eine Kampagne über 500 Euro mit einer über 50.000 Euro, eine neue Website mit einem Jahr SEO. Geht es ausschließlich um Marketing, ist auch von ROMI die Rede, dem Return on Marketing Investment. Das Prinzip bleibt gleich, nur ist die Investition hier Ihr Marketingbudget. Unter Ihren Marketingkennzahlen ist der ROI die KPI, die alle anderen zusammenfasst: Klickpreis, Conversion Rate und Kosten pro Anfrage sind die Stellschrauben, der ROI ist das Ergebnis.
Ein Hinweis zur Einordnung: Bei Geldanlagen und Immobilien wird die Rendite in der Regel pro Jahr angegeben. Im Marketing rechnen Sie meist pro Kampagne, Monat oder Quartal. Ein ROI von 20 % für eine dreimonatige Kampagne ist deshalb etwas anderes als eine Jahresrendite von 20 % auf ein Depot. Um Zeiträume vergleichbar zu machen, rechnen Sie den ROI auf ein Jahr hoch: Jahres-ROI = (1 + ROI)^(12 ÷ Monate) - 1. Eine Rendite von 20 % in drei Monaten ergibt, im gleichen Tempo fortgesetzt, rund 107 % im Jahr.
ROI berechnen: die Formel
Die Formel für den ROI ist kurz. Die entscheidende Arbeit steckt in der Frage, was als Ertrag und was als Kosten zählt.
ROI = (Ertrag - Kosten) ÷ Kosten × 100 %
In Worten: Sie ziehen die Kosten vom Ertrag ab, teilen das Ergebnis durch die Kosten und multiplizieren mit 100, um einen Prozentwert zu erhalten. In Excel oder Google Sheets tragen Sie die Kosten in Zelle B1 und den Ertrag in B2 ein und schreiben =(B2-B1)/B1 in eine Zelle, die als Prozent formatiert ist.
Für einen belastbaren ROI im Marketing gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Legen Sie fest, was Sie messen und über welchen Zeitraum, etwa eine Kampagne über ein Quartal.
- Erfassen Sie alle Kosten, die für das Ergebnis nötig waren, nicht nur das Mediabudget.
- Berechnen Sie den Ertrag als Rohertrag: Nettoumsatz ohne Umsatzsteuer, abzüglich Wareneinsatz oder Herstellungskosten und abzüglich Retouren.
- Setzen Sie die Werte in die Formel ein und vergleichen Sie das Ergebnis mit derselben Rechnung für einen früheren Zeitraum oder einen anderen Kanal.
Was als Ertrag zählt
Im Marketing ist der Ertrag der Rohertrag, den Ihre Kampagne erwirtschaftet: Nettoumsatz minus Wareneinsatz oder Herstellungskosten. Wer stattdessen mit dem Umsatz rechnet, zählt Geld mit, das nie bei Ihnen bleibt, denn Lieferanten, Produktion und Finanzamt bekommen ihren Anteil zuerst. Der ROI sieht dann um ein Vielfaches besser aus als Ihr Kontostand.
Welche Kosten dazugehören
Auf der Kostenseite steht alles, was nötig war, um diesen Ertrag zu erzielen. Das Werbebudget ist meist nur ein Teil davon.
| Kostenposition | Beispiele | Oft vergessen? |
|---|---|---|
| Mediabudget | Google Ads, Meta Ads, LinkedIn Ads | Selten |
| Betreuung und Beratung | Agenturhonorar, Freelancer, Strategie | Manchmal |
| Kreation | Texte, Fotografie, Video, Gestaltung | Häufig |
| Landingpages | Erstellung oder Anpassung von Seiten für die Kampagne | Häufig |
| Tools und Software | Analytics, CRM, E-Mail-Plattform, SEO-Tools | Häufig |
| Eigene Arbeitszeit | Stunden von Ihnen oder Ihrem Team, zu einem internen Satz | Fast immer |
Die ROI-Formel im Controlling: das DuPont-Schema
Im Controlling begegnet Ihnen der ROI oft in einer anderen Form. Nach dem DuPont-Kennzahlensystem ist der ROI das Produkt aus Umsatzrendite und Kapitalumschlag:
ROI = (Gewinn ÷ Umsatz) × (Umsatz ÷ investiertes Kapital) × 100 %
Der Umsatz kürzt sich heraus, übrig bleibt Gewinn geteilt durch investiertes Kapital. Der Nutzen dieser Zerlegung liegt in der Ursachenanalyse: Sie sehen, ob eine Rendite aus hohen Margen kommt oder daraus, dass das Kapital oft umgeschlagen wird. Diese Sicht betrachtet das ganze Unternehmen oder einen Geschäftsbereich. Für eine einzelne Kampagne ist die Marketingformel praktischer, weil Sie dort nicht das gebundene Kapital, sondern die Ausgaben für die Kampagne kennen.
Die Google-Definition und die Marketing-Definition
Auch zwischen Google und den meisten Marketern gibt es einen Unterschied. Im Beispiel der Google Ads-Hilfe kostet ein Produkt 100 Euro in der Herstellung und wird für 200 Euro verkauft. Über Google Ads verkaufen Sie sechs Stück, also 1.200 Euro Umsatz, und die Anzeigen kosten 200 Euro. Google rechnet Herstellung und Werbung zusammen als Investition: (1.200 Euro - 800 Euro) ÷ 800 Euro = 50 %. Für jeden ausgegebenen Euro kommen 1,50 Euro zurück.
Ein Marketer fragt meist enger: Was hat das Marketingbudget eingebracht? Dann sind nur die 200 Euro die Investition und der Ertrag ist der Rohertrag von 600 Euro, also (600 Euro - 200 Euro) ÷ 200 Euro = 200 %. Beide Rechnungen stimmen, sie beantworten nur verschiedene Fragen. Google schreibt selbst, dass sich die Berechnung nach den Zielen Ihrer Kampagne richtet. Entscheiden Sie sich für eine Definition, halten Sie fest, wie Sie rechnen, und bleiben Sie dabei, damit Kampagnen und Zeiträume vergleichbar bleiben. In diesem Beitrag rechnen wir ab hier mit der Marketingvariante: Rohertrag gegenüber allen Marketingkosten.
Rechenbeispiel: ROI im Marketing berechnen
Den Unterschied zwischen einem ehrlichen und einem geschönten ROI sehen Sie am besten an konkreten Zahlen. Beide Beispiele arbeiten mit Beispielwerten.
Beispiel für einen Onlineshop
Ein Onlineshop für Naturkosmetik gibt in einem Monat 5.000 Euro für Google Ads und Meta Ads aus, dazu 1.000 Euro für Betreuung und Content. Die Marketingkosten liegen damit bei 6.000 Euro. Die Kampagnen bringen 15.000 Euro Nettoumsatz. Die Rohertragsmarge beträgt 60 %, der Rohertrag also 9.000 Euro.
ROI = (9.000 Euro - 6.000 Euro) ÷ 6.000 Euro × 100 % = 50 %
Jeder Euro Marketing kommt zurück, dazu 0,50 Euro Gewinn. Rechnet die Inhaberin dieselbe Kampagne mit dem Umsatz, kommt sie auf (15.000 Euro - 6.000 Euro) ÷ 6.000 Euro = 150 %. Die Werbeplattformen zeigen einen ROAS von 15.000 Euro ÷ 5.000 Euro = 300 %. Und nach der Definition der Google Ads-Hilfe, in der Wareneinsatz und Marketing gemeinsam die Investition bilden, sind es (15.000 Euro - 12.000 Euro) ÷ 12.000 Euro = 25 %. Das sind vier Werte für eine Kampagne: 25 %, 50 %, 150 % und 300 %. Nur die 50 % sagen der Inhaberin, was ihr Marketingbudget tatsächlich verdient hat.
Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen nach. Der Rechner verwendet den Rohertrag und alle Marketingkosten und zeigt zum Vergleich auch den ROAS.
- Rohertrag
- € 9.000
- Ergebnis nach Marketingkosten
- € 3.000
- ROI
- 50%
- ROAS (zum Vergleich)
- 300%
Ihr ROI ist positiv: Ihr Marketing verdient seine Kosten zurück und bringt Gewinn.
ROI = (Rohertrag - alle Marketingkosten) ÷ alle Marketingkosten × 100 %
Beispiel für einen Dienstleister mit Anfragen
Wer Dienstleistungen verkauft, sieht im Werbekonto keine Umsätze, sondern Anfragen. Dann rechnen Sie über Anfragen und Aufträge. Ein Ingenieurbüro für Energieberatung in Hamburg investiert in einem Halbjahr 8.000 Euro in Marketing: 6.000 Euro Google Ads und 2.000 Euro für die Betreuung. Daraus entstehen 40 Anfragen, die Kosten pro Anfrage (CPA) liegen also bei 200 Euro. Acht Anfragen werden zu Aufträgen. Ein neuer Kunde kostet damit 1.000 Euro, das sind Ihre Kundenakquisitionskosten (CAC). Bringt ein Auftrag im Schnitt 2.500 Euro Rohertrag, ergibt das 20.000 Euro im Halbjahr.
ROI = (20.000 Euro - 8.000 Euro) ÷ 8.000 Euro × 100 % = 150 %
Zwei Erkenntnisse stecken in diesem Beispiel. Die Zahl der Anfragen sagt wenig, solange Sie nicht wissen, wie viele davon zu Aufträgen werden: Wird nur jede zehnte statt jede fünfte Anfrage zum Auftrag, halbiert sich der Rohertrag und der ROI fällt auf 25 %. Und der erste Auftrag ist selten der letzte. Kommen Kunden wieder, rechnen Sie mit dem Customer Lifetime Value statt mit einem einzelnen Auftrag. Der tatsächliche ROI liegt dann höher, und Sie dürfen für einen neuen Kunden mehr ausgeben, als der erste Auftrag vermuten lässt.
ROI, ROAS und POAS im Vergleich
ROI, ROAS und POAS klingen ähnlich, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Der ROAS teilt den Umsatz durch die Werbekosten. Der POAS teilt den Rohertrag durch die Werbekosten. Der ROI setzt das Ergebnis ins Verhältnis zur gesamten Investition.
| ROAS | POAS | ROI | |
|---|---|---|---|
| Steht für | Return on Ad Spend | Profit on Ad Spend | Return on Investment |
| Formel | Umsatz ÷ Werbekosten | Rohertrag ÷ Werbekosten | (Ertrag - Kosten) ÷ Kosten × 100 % |
| Berücksichtigt die Marge | Nein | Ja | Ja |
| Berücksichtigt alle Kosten | Nein, nur Werbekosten | Nein, nur Werbekosten | Ja |
| Onlineshop-Beispiel | 300 % | 1,8 | 50 % |
| Gut geeignet für | Steuerung innerhalb einer Werbeplattform | Steuerung nach Gewinn je Produkt oder Kampagne | Entscheidung, ob sich eine Investition lohnt |
Auf den ROAS optimieren Google Ads und Meta standardmäßig, weil sie Ihren Umsatz kennen, Ihre Marge aber nicht. Ein hoher ROAS kann bei schmaler Marge trotzdem Verlust bedeuten. Der POAS behebt das, indem er mit dem Rohertrag rechnet, betrachtet aber weiterhin nur das Werbebudget. Der ROI ist die umfassendste der drei Kennzahlen und bezieht auch Betreuung, Kreation und eigene Arbeitszeit ein. In der Praxis steuern Sie mit ROAS oder POAS im Tagesgeschäft und entscheiden mit dem ROI, ob ein Kanal seinen Platz im Budget verdient.
Das Diagramm zeigt, warum der ROAS allein nicht genügt. Alle Balken haben denselben ROAS von 300 %, mit dem Werbebudget als einziger Investition. Nur die Rohertragsmarge ändert sich.
| ROI | |
|---|---|
| 35 % Marge | 5% |
| 40 % Marge | 20% |
| 50 % Marge | 50% |
| 60 % Marge | 80% |
| 70 % Marge | 110% |
Rechenbeispiel: ROI = (ROAS × Rohertragsmarge - 1) × 100 %
Bei einer Marge von 33,3 % spielt ein ROAS von 300 % gerade die Werbekosten ein. Bei 25 % Marge liegt der ROI sogar bei -25 %. Ihr Break-even-ROAS ist deshalb 1 ÷ Rohertragsmarge. Wie Sie ihn berechnen und daraus einen Ziel-ROAS ableiten, lesen Sie im Beitrag ROAS berechnen.
Was ist ein guter ROI?
Ein guter ROI liegt über Ihrer eigenen Untergrenze. Einen Prozentwert, der für jedes Unternehmen gilt, gibt es nicht, und Tabellen mit durchschnittlichen ROI-Werten nach Branche helfen wenig, solange unklar ist, wie sie berechnet wurden. Das Onlineshop-Beispiel hat gezeigt, dass eine einzige Kampagne allein durch die Definition zwischen 25 % und 150 % liegen kann.
Die feste Untergrenze ist 0 %, berechnet mit Rohertrag und allen Kosten. Darüber verdient Ihr Marketing seine Kosten zurück. Ob ein ROI von 40 % dann gut ist, hängt von Ihrer Lage ab. Mit hoher Marge erreichen Sie leichter einen hohen ROI als mit niedriger. Bleiben Kunden über Jahre, darf der erste Auftrag wenig oder gar nichts abwerfen. Der Zeitraum zählt ebenfalls: 30 % in einem Quartal sind mehr als 30 % in einem Jahr. Und derselbe Euro könnte an anderer Stelle mehr bringen, etwa in einer besseren Website, in SEO oder in der Bindung bestehender Kunden.
Ein negativer ROI ist auch nicht automatisch ein Fehler. Eine erste Testkampagne kostet Geld und bringt vor allem Erkenntnisse: welche Botschaft trägt und welche Zielgruppe reagiert. Ist das vorher vereinbart, handelt es sich um eine bewusste Investition in Wissen. Eine Kampagne, die Monat für Monat unter null bleibt, ist das nicht.
Inkrementeller und marginaler ROI: die Fragen hinter dem Durchschnitt
Der ROI aus Ihrer Buchhaltung ist ein Durchschnitt, und dieser Durchschnitt rechnet dem Marketing jeden Verkauf zu, den es berührt hat. Dahinter stehen zwei schärfere Fragen. Der inkrementelle ROI zählt nur die Verkäufe, die ohne die Kampagne nicht zustande gekommen wären. Der marginale ROI fragt, was der nächste Euro bringt, nicht was die letzten zehntausend gebracht haben.
Meridian, das Open-Source-Marketing-Mix-Modell von Google, macht beides sichtbar. Im Beispiel der englischsprachigen Meridian-Dokumentation von Google gibt ein Schuhgeschäft 10.000 Dollar für Videoanzeigen aus, und das Modell schätzt 25.000 Dollar an Umsatz, der sonst nicht entstanden wäre: 2,50 Dollar pro eingesetztem Dollar. Ist der Kanal nahe an der Sättigung, bringt der nächste Dollar unter Umständen nur noch 0,80 Dollar. Der Durchschnitt sieht dann gesund aus, während zusätzliches Budget dort Geld verliert. Meridian teilt inkrementellen Umsatz durch die Ausgaben, die Rohertragsmarge müssen Sie also noch abziehen, bevor Sie von Gewinn sprechen.
Ohne Data-Science-Team gelingt das mit einem Holdout-Test. Pausieren Sie eine Kampagne für einige Wochen oder in einer Region und vergleichen Sie die Anfragen mit einem Zeitraum oder einer Region, in der sie lief. Markenkampagnen fallen bei diesem Test oft durch, weil viele dieser Klicks von Menschen kommen, die ohnehin schon auf dem Weg zu Ihnen waren.
ROI und Amortisation: warum der Zeitpunkt zählt
ROI und Amortisation messen zwei verschiedene Dinge. Der ROI zeigt, wie viel eine Investition einbringt. Die Amortisationszeit zeigt, wie lange es dauert, bis das eingesetzte Geld zurück ist. Beide hängen davon ab, wann Sie messen. Werbung bringt sofort Ertrag und hört auf, sobald das Budget aufhört. SEO und Content kosten zuerst Geld, bringen später Ertrag und wirken danach weiter. Wer SEO nach drei Monaten misst, sieht fast immer einen negativen ROI, und das sagt mehr über den Messzeitpunkt als über SEO.

Das folgende Rechenbeispiel macht das sichtbar. Ein Unternehmen investiert ein Jahr lang 2.500 Euro pro Monat in SEO und Content. Im ersten Monat kommt noch nichts zurück. Danach wächst der Rohertrag aus organischen Kunden um 600 Euro pro Monat: 600 Euro im zweiten Monat, 1.200 Euro im dritten und so weiter. Das sind Annahmen, die den Mechanismus zeigen, kein Versprechen. In Ihrem Markt kann es schneller gehen, langsamer oder gar nicht, und genau deshalb messen Sie es.
- Kumulierter Rohertrag
- Kumulierte Investition
| Kumulierter Rohertrag | Kumulierte Investition | |
|---|---|---|
| M1 | € 0 | € 2.500 |
| M2 | € 600 | € 5.000 |
| M3 | € 1.800 | € 7.500 |
| M4 | € 3.600 | € 10.000 |
| M5 | € 6.000 | € 12.500 |
| M6 | € 9.000 | € 15.000 |
| M7 | € 12.600 | € 17.500 |
| M8 | € 16.800 | € 20.000 |
| M9 | € 21.600 | € 22.500 |
| M10 | € 27.000 | € 25.000 |
| M11 | € 33.000 | € 27.500 |
| M12 | € 39.600 | € 30.000 |
Rechenbeispiel mit Annahmen: 2.500 Euro Investition pro Monat, der Rohertrag wächst um 600 Euro pro Monat
Nach drei Monaten liegt der ROI in diesem Beispiel bei -76 %, nach sechs Monaten bei -40 % und nach neun Monaten noch knapp unter null. Im zehnten Monat hat sich die Investition amortisiert, nach zwölf Monaten beträgt der ROI 32 %. Die aufgebaute Sichtbarkeit wirkt danach weiter, auch wenn Sie weniger investieren. Bei Werbung fehlt dieser Effekt: Schalten Sie die Kampagne ab, endet auch der Ertrag.
Bei einem gleichmäßigen Rückfluss ist die Formel für die Amortisationszeit kurz: Amortisationszeit = Investition ÷ Rohertrag pro Monat. Eine Website für 12.000 Euro, die monatlich 1.500 Euro zusätzlichen Rohertrag bringt, hat sich nach acht Monaten amortisiert. Wächst der Ertrag allmählich, wie bei SEO, addieren Sie Monat für Monat, bis der kumulierte Rohertrag die kumulierte Investition einholt.
Legen Sie den Messzeitraum deshalb vorab fest, passend zur Investition und zu Ihrem Verkaufszyklus. Für eine Suchkampagne kann das ein Monat sein. Für SEO, Content oder eine neue Website ist ein Jahr der fairere Zeitraum.
ROI messen in Google Ads, GA4 und Meta
Keine Werbeplattform zeigt Ihnen den ROI fertig an, denn keine kennt Ihre Marge und Ihre übrigen Kosten. Was die Plattformen messen, sind Conversions und Conversion-Werte. Damit berechnen Sie den ROI selbst oder lassen die Plattform mit Gewinn statt mit Umsatz rechnen.
| Tool | Was Sie dort sehen | Was Sie selbst ergänzen |
|---|---|---|
| Google Ads | Kosten, Conversions, Conversion-Wert und die Spalte Conversion-Wert/Kosten (Ihr ROAS) | Marge und übrige Kosten, oder Conversion-Werte auf Gewinnbasis |
| Google Analytics 4 | Umsatz und Schlüsselereignisse je Kanal und Kampagne | Kosten anderer Plattformen über den Import von Kampagnendaten |
| Meta Werbeanzeigenmanager | Ausgaben, Käufe und ROAS auf Basis des Werts aus Pixel oder Conversions API | Marge und übrige Kosten |
| Google Search Console | Klicks, Impressionen und Positionen in der organischen Suche | Den Wert organischer Anfragen und Ihre SEO-Kosten |
| CRM oder Buchhaltung | Welche Anfragen zu Kunden wurden und was sie eingebracht haben | Die Verbindung zu Ihren Kampagnen |
Google Ads: Es kommt auf den Conversion-Wert an
In Google Ads geben Sie jeder Conversion einen Wert: den Bestellwert bei einem Kauf oder einen geschätzten Wert bei einer Anfrage. Laut der Google Ads-Hilfe zu Conversion-Werten können Sie dann mit der Spalte „Conversion-Wert/Kosten“ den ROI Ihrer Kampagnen erfassen. Genau genommen ist diese Spalte Ihr ROAS, denn sie teilt den Umsatz durch die Werbekosten. Näher an den ROI kommen Sie, wenn Sie statt des Umsatzes den Rohertrag als Conversion-Wert übermitteln. Google nennt diese Möglichkeit selbst: Ziel-ROAS maximiert den Conversion-Wert, „z. B. Umsatz oder Gewinnmargen“. Wie Auktion und Gebotsstrategien funktionieren, lesen Sie im Beitrag SEA und Google Ads.
Für die Leadgenerierung geben Sie einer Anfrage den Wert einer durchschnittlichen Anfrage. Google rechnet es selbst vor: Wenn Sie aus zehn Leads einen Verkauf erzielen und dieser typischerweise 20 Euro bringt, ist jeder Lead im Schnitt 2 Euro wert. Genauer wird es, wenn Sie abgeschlossene Aufträge aus Ihrem CRM an Google Ads zurückmelden. Dafür gibt es erweiterte Conversions für Leads: Sie erfassen, welche Leads zu Kunden wurden, anhand selbst erhobener Daten aus Ihrem CRM, die vor der Übermittlung an Google gehasht werden. Dann sehen Sie nicht nur, welche Kampagne Anfragen bringt, sondern auch, welche Kampagne Kunden bringt.
GA4: alle Kanäle nebeneinander
Google Analytics 4 misst Umsatz und Schlüsselereignisse (früher Conversions genannt) über alle Kanäle hinweg. Kosten aus einem verknüpften Google Ads-Konto kommen automatisch an. Kosten von Meta, LinkedIn oder E-Mail holen Sie über den Import von Kampagnendaten, der früher Kostendatenimport hieß. Google Analytics führt diese Kosten mit dem bereits gemessenen Umsatz zusammen. Das Ergebnis finden Sie unter Berichte, Akquisition, Kampagne außerhalb von Google, sowie im Arbeitsbereich „Werbung“. Achten Sie auf einheitliche UTM-Parameter: Laut Google stimmen „Facebook“ und „facebook“ nicht genau überein, und dann lassen sich die Kosten nicht mit Ihren Sitzungen verknüpfen.
Meta Werbeanzeigenmanager und Search Console
Der Meta Werbeanzeigenmanager weist den ROAS auf Basis des Conversion-Werts aus, den das Meta-Pixel oder die Conversions API übermittelt. Wie Google Ads kennt auch Meta weder Ihre Marge noch Ihre übrigen Kosten. Für SEO zeigt die Google Search Console, wie viele Klicks Sie aus der organischen Suche erhalten und über welche Suchanfragen. Anfragen oder Verkäufe misst die Search Console nicht, den Ertrag dieser Klicks entnehmen Sie also GA4 oder Ihrem CRM.
Attribution: Wem wird der Erfolg zugerechnet?
Eine Kundin sieht eine Anzeige auf Instagram, sucht eine Woche später nach Ihrem Namen und fragt über ein organisches Suchergebnis ein Angebot an. Meta, Google Ads und GA4 können diese eine Kundin jeweils sich selbst zuschreiben. Addieren Sie die Zahlen der Plattformen, zählen Sie denselben Umsatz zwei- oder dreimal. Berechnen Sie den Gesamt-ROI Ihres Marketings deshalb aus einer einzigen Quelle, etwa Ihrer Buchhaltung, Ihrem CRM oder GA4, und nutzen Sie die Plattformzahlen zur Steuerung innerhalb eines Kanals.
ROI verbessern, ohne zu raten
Den ROI verbessern Sie von beiden Seiten der Formel: mehr Rohertrag aus derselben Investition oder derselbe Rohertrag für weniger Geld. Der größte Hebel liegt dabei selten in der Anzeige selbst.
Meist ist es Ihre Website. Konvertiert eine Landingpage doppelt so gut, bringt jeder Euro, den Sie dorthin schicken, doppelt so viel. Deshalb leistet Conversion-Optimierung oft mehr für den ROI als zusätzliches Budget. Danach kommt Ihre Botschaft. Eine klare Geschichte zieht die richtigen Menschen an und hält die falschen fern, was Ihre Kosten pro Kunde senkt. Auch der Kanalmix zählt: Wer über SEO besser gefunden wird, muss weniger Besucher kaufen. Und wer bestehende Kunden hält, holt mehr aus jedem Kunden heraus, der je gewonnen wurde. Deshalb beginnt Marketing bei uns organisch: zuerst das Fundament, bezahlte Kampagnen danach als Akzent.
Auf der Kostenseite streichen Sie, was nichts bringt: Suchbegriffe, die nur Klicks liefern, Zielgruppen, die nie kaufen, und Kampagnen auf den eigenen Markennamen, die vor allem Menschen erreichen, die Sie ohnehin gesucht haben. Und testen Sie, statt zu raten. Mit einem A/B-Test zeigen Sie zwei Versionen einer Anzeige oder Seite einem vergleichbaren Publikum und wissen danach, welche besser funktioniert, statt es nur zu vermuten.
Häufige Fehler bei der ROI-Berechnung
| Fehler | Was passiert | So machen Sie es richtig |
|---|---|---|
| Mit Umsatz statt Rohertrag rechnen | Der ROI wirkt um ein Vielfaches höher als der echte Gewinn | Umsatzsteuer, Wareneinsatz und Herstellungskosten abziehen |
| Nur das Werbebudget zählen | Betreuung, Kreation, Tools und Stunden fehlen | Alle Marketingkosten einbeziehen |
| Plattformzahlen addieren | Derselbe Verkauf zählt zwei- oder dreimal | Den Gesamt-ROI aus einer Quelle berechnen |
| Zu früh messen | SEO, Content und eine neue Website wirken verlustreich | Den Messzeitraum an den Verkaufszyklus anpassen |
| Retouren und Stornierungen vergessen | Der ROI liegt über dem, was tatsächlich ankommt | Den Ertrag nachträglich korrigieren |
| Jeden Verkauf der Kampagne zuschreiben | Kunden, die Sie ohnehin gefunden hätten, zählen mit | Markenkampagnen getrennt bewerten und mit und ohne Kampagne testen |
Lassen Sie Ihre Kampagnen von einer Agentur betreuen, verlangen Sie Berichte in genau diesen Größen: Rohertrag, alle Kosten und ROI je Kanal, nicht nur Klicks und ROAS.
Wie wir helfen
Viralistic ist ein strategischer Digitalpartner in Amsterdam, gegründet und geführt von Marrallisa Kreijkes. Wir messen, was für Ihr Unternehmen zählt: wie viele Anfragen eingehen, wie gut diese Anfragen sind und was ein neuer Kunde Sie kostet. Klicks und Impressionen sind dabei Hilfsmittel, nicht das Ziel. Wenn wir für unsere Kunden den ROI berechnen, dann so wie in diesem Beitrag: mit Rohertrag, allen Kosten auf dem Tisch und einem Messzeitraum, der zum Kanal passt.
Bevor ein Euro in Werbung fließt, prüfen wir das Fundament: eine klare Botschaft auf Basis Ihres BrandScripts, eine schnelle Website, die Besucher zu Anfragen macht, eine Messung, auf die Sie sich verlassen können, und Sichtbarkeit in Google und in KI-Antworten. Ist das Fundament gesund und wollen Sie mehr, setzen wir Google Ads und Meta Ads als Akzent ein, aufgebaut auf Ihrem BrandScript. Wir testen zuerst breit, besprechen die Zahlen gemeinsam mit Ihnen und verschieben Budget erst dorthin, wo es nachweislich wirkt. Manchmal lautet unser ehrlicher Rat, dass Werbung gerade nicht der richtige nächste Schritt ist. Dann sagen wir Ihnen das auch. Mehr dazu lesen Sie bei Unser Marketing-Ansatz und SEO und KI-Sichtbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Wie rechnet man den ROI aus?
Sie rechnen den ROI mit der Formel (Ertrag - Kosten) ÷ Kosten × 100 % aus. Kostet eine Kampagne 6.000 Euro und bringt 9.000 Euro Rohertrag, beträgt der ROI (9.000 - 6.000) ÷ 6.000 × 100 % = 50 %. Verwenden Sie im Marketing den Rohertrag statt des Umsatzes und zählen Sie Betreuung, Kreation, Tools und eigene Arbeitszeit zu den Kosten.
Wie hoch ist ein guter ROI?
Ein guter ROI liegt über Ihrer eigenen Untergrenze, und diese liegt bei 0 %, gerechnet mit Rohertrag und allen Kosten. Einen Richtwert, der für jedes Unternehmen gilt, gibt es nicht. Was gut ist, hängt von Ihrer Marge ab, davon, wie lange Kunden bleiben, vom Messzeitraum und davon, was dasselbe Geld an anderer Stelle bringen würde.
Was bedeutet ein ROI von 100 %?
Ein ROI von 100 % bedeutet, dass der Gewinn so hoch ist wie die Investition: Aus 1.000 Euro Marketingkosten werden 2.000 Euro Rohertrag, Ihr Geld hat sich verdoppelt. Ob das gut ist, hängt vom Zeitraum ab. In einem Quartal ist das ein starkes Ergebnis, verteilt über fünf Jahre deutlich weniger.
Sind ROI und Amortisation das Gleiche?
Nein. Der ROI zeigt, wie viel eine Investition im Verhältnis zu ihren Kosten einbringt. Die Amortisationszeit zeigt, wie lange es dauert, bis das eingesetzte Geld zurückgeflossen ist. Eine Investition kann sich schnell amortisieren und trotzdem einen kleinen ROI haben, oder sich langsam amortisieren und am Ende einen hohen ROI erzielen, wie es bei SEO häufig der Fall ist.
Was ist der Unterschied zwischen ROI und ROAS?
Der ROAS teilt den Umsatz nur durch die Werbekosten. Der ROI setzt den Gewinn ins Verhältnis zu allen Kosten. Deshalb kann eine Kampagne mit einem ROAS von 300 % bei 25 % Rohertragsmarge einen negativen ROI haben: Von 3 Euro Umsatz bleiben 0,75 Euro Rohertrag, während die Anzeige 1 Euro gekostet hat. Der ROAS ist eine Steuerungsgröße, der ROI das Urteil.
Was ist der Unterschied zwischen ROI und ROE?
Der ROI bezieht den Gewinn auf das eingesetzte Kapital oder die Kosten einer bestimmten Investition, etwa einer Kampagne. Der ROE (Return on Equity, Eigenkapitalrendite) bezieht den Gewinn eines Unternehmens auf sein Eigenkapital. Der ROE ist damit eine Kennzahl für Eigentümer und Investoren, der ROI eine für einzelne Entscheidungen wie Marketing, Website oder neue Maschinen.
Kann der ROI negativ sein?
Ja. Ein negativer ROI bedeutet, dass der Ertrag unter den Kosten liegt und die Investition Verlust gebracht hat. Bei -100 % ist das gesamte eingesetzte Geld verloren. Für eine bewusste Testkampagne oder SEO in den ersten Monaten kann ein negativer ROI vertretbar sein, solange Sie vorher festlegen, bis wann sich die Investition amortisieren soll.
Wie berechnet man den ROI von SEO?
Bei SEO ist der Ertrag der Rohertrag aus Kunden, die über die organische Suche gekommen sind. Die Kosten sind Ihre Investition in Content, Technik und Autorität oder das Honorar Ihrer Agentur. Erfassen Sie diese Kunden in GA4 oder im CRM, denn die Search Console misst keine Conversions. Rechnen Sie über mindestens ein Jahr, weil SEO zuerst kostet und später wirkt.
Wie berechnet man den ROI in Excel?
Tragen Sie die Kosten in Zelle B1 und den Ertrag in B2 ein und schreiben Sie =(B2-B1)/B1 in eine Zelle, die Sie als Prozent formatieren. Für den Marketing-ROI steht in B2 der Rohertrag, nicht der Umsatz. Für einen Jahreswert nutzen Sie =(1+B3)^(12/B4)-1, mit dem ROI in B3 und der Laufzeit in Monaten in B4.
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Gründerin von Viralistic und offizielle n8n Ambassador
Marrallisa leitet von Amsterdam aus Strategie, Design, Sichtbarkeit und Automatisierung für Premiummarken. Sie hat Teams bei Volkswagen geschult und spricht auf Events von n8n und Anthropic. Möchten Sie Ihre Situation besprechen? Vereinbaren Sie direkt ein Gespräch mit ihr.